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Mein Projekt - Das Sexual-Koordinaten-System
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luk69




Alter: 51
Sexualität: Graubereich
Anmeldungsdatum: 19.12.2010
Beiträge: 187
BeitragVerfasst am: Fr Jan 11, 2013 2:07    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,
ich melde mich mal wieder zur Wort.
Zuerst möchte ich eine Grafik zeigen, die ich bereits in einem anderen Thread präsentiert hatte, ich halte sie aber für wichtig hier. In dieser Variation sind in den einzelnen Feldern anstelle Farben oder Beschreibung von den Spalten und Zeilen die prozentualen Anteile eingetragen. Hier durch die %-Angaben ist deutlich zu sehen (wie Maz schon bemerkt hat), dass zB in der Spalte A alle (ob A6 oder A2) gleich heterosexuell sind, nur unterschiedlich sexuell geprägt. Genauso sind alle in der Zeile 6 unabhängig von der sexuellen Ausrichtung gleich hypersexuell (Abb. L10a)

Abb. L10a

Maz hat folgendes geschrieben:
Das Problem mit dem ursprünglichen Dreieck, ist daß es den Eindruck vermittelt ..... kann man nur dann (nahezu) asexuell sein wenn man gleichzeitig auch bisexuell ist.

Das ist ausschließlich eine Frage der Wahrnehmung. Einer fühlt sich von einem Dreieck, der Andere von einem Kreisel mehr angesprochen. Jede Darstellungsform hat ihre Vor- und Nachteile, die Grafik kann beliebig in verschieben geometrischen Formen (Dreieck, Viereck, Kreisel, Raute) dargestellt werden:


Die Aussage bleibt trotzdem in allen Abbildungen dieselbe, und zwar: alle diese „Deformierungen“ (Variationen) besitzen 2 Achsen („X“=Ausrichtung, „Y“=Interaktion) und 43 Felder. Diese Felder werden durch Beschreibung (Abb. 03 und Abb. 04), durch farbliche Tönung (Abb. L05 und Abb. L06) oder durch prozentuale Anteile (Abb. L10a) definiert.
Ich denke, die Art mit prozentualen Anteilen kann wohl am besten überzeugen, dass alle Bilder identische Aussage besitzen. Ein A3-Individuum besitzt dieselbe Mischung (100%Hetero, 0%-Homo und 50%-Asex) in allen Variationen. Der Eindruck A3 wäre im Dreieck mehr bi als A6 ist lediglich eine optische Täuschung, die Prozentsätze verlaufen kontinuierlich auf beiden Achsen.
Anders sieht es meiner Meinung nach bei Kinsey-Skala aus. Kinsey war von 90% Bisexuellen überzeugt und genau das wollte er in seiner Skala optisch vermitteln.
Übrigens, ich habe neulich den Film „Kinsey“ gesehen und kann nur weiter empfehlen.

@Maxi
Alle meine Grafiken basieren zwar auf einem binären System, aber durch zusammenlegen von zwei verschiedenen binären Größen („x“ für Ausrichtung, „y“ für Interaktion) und die Unterteilung in Zeilen und Spalten ist gut ersichtlich, dass ein Individuum zB. vom heterosexuellen Pol zwei Möglichkeiten hat zu tendieren - in Richtung Homo-Pol (Zeile) oder/und in Richtung Asex-Pol (Spalte). Ob die Pole als Punkte (im Dreieck) oder als Linien/Ebenen (im Quadrat) auftreten, spielt keine Rolle. Ich würde das also „2-dimensional“ und nicht „binär“ bezeichnen (siehe auch weiter unten Storm`s Model).
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Zuletzt bearbeitet von luk69 am Fr Jan 11, 2013 3:42, insgesamt einmal bearbeitet
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luk69




Alter: 51
Sexualität: Graubereich
Anmeldungsdatum: 19.12.2010
Beiträge: 187
BeitragVerfasst am: Fr Jan 11, 2013 2:18    Titel: Antworten mit Zitat

Über das Storm`s Model haben wir uns mal bei einem Stammtisch unterhalten. Daraufhin habe ich das Storm`s Model und die Luk-Skala zusammen gelegt.


Das Resultat ist die Abb. L15:

Abb. L15
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Maz
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Alter: 43
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 12.02.2005
Beiträge: 14317
BeitragVerfasst am: Fr Jan 11, 2013 14:03    Titel: Antworten mit Zitat

Ich bin mir nicht sicher ob ich die Grafik richtig interpretiere. Aber das zentrale Problem (zumindest in 2D) bleibt doch vor allem, daß man Asexualität im Sinne einer Orientierung auf der Anziehungs- und der Interkationsebene nicht gleichzeitig einheitlich mit den anderen Orientierungen mischen kann. Entweder man bekommt Szenarien in denen man gleichzeitig von jemandem und niemandem angezogen wird und/oder solche in denen man gleichzeitig mit jemandem und niemandem interagiert. D.h. die Asex Dimension jenseits der Nulllinie beschreibt in diesen Fällen eigentlich nur die Intensität innerhalb der anderen Orientierungen abhängig davon welche der beiden Dimensionen man als "Orientierungsprägend" definiert.

Der Unterschied im Bild zwischen einem 100% hetero 0% asex und einem 100% hetero 50% asex wäre doch z.B. einfach in der Anzahl/Häufigkeit der Sexualkontakte zu sehen(?)

Und wie genau kann man sich dann eine Person in der Mitte von Bereich 3 vorstellen (sagen wir mal leicht im bisexuellen Bereich)?
Ist das eine Person, die sexuell gleichermaßen stark mit Frauen, Männern und Niemandem interagiert und sich dabei auch gleichermaßen stark von Frauen, Männern und Niemandem angezogen fühlt? Dann ist das doch einfach ein(e) ganz normale(r) Bisexuelle(r) und der Asex Anteil beschreibt hier gleichzeitig sowohl das Ausmaß der Anziehung als auch des Verhaltens. Oder ist das eine Person (also bezogen auf die Position im Spektrum des Bisexuellen Quadrats), die sich gleich stark von Männern und Frauen angezogen fühlt aber nur eine minimale sexuelle Interaktion zeigt? So wie ich das verstehe gibt es in dieser Darstellung ansonsten nämlich keine eindeutigen homo/hetero/bisexuellen die nicht gleichzeitig mindestens auch mehr als "mittelstark" (>3) sexuell aktiv sind.
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luk69




Alter: 51
Sexualität: Graubereich
Anmeldungsdatum: 19.12.2010
Beiträge: 187
BeitragVerfasst am: Sa Jan 12, 2013 3:26    Titel: Antworten mit Zitat

Betrachten wir mal die Abb. L10a, also das Dreieck mit prozentualen Anteilen.
Alle in der Spalte A sind 100% hetero, das bedeutet sie unterscheiden sich lediglich bezüglich der Intensität der Anziehung/Interaktion. Hier dazu ein Beispiel von drei glücklichen Beziehungen:
Eine „A6-Frau“ braucht und bekommt Sex 10x/Woche, findet Homosexualität eklig, sie kann sich Single-Leben gar nicht vorstellen.A6=heterosexuell
Ein „A3-Mann“ knutscht und kuschelt gerne mit seiner Freundin, mal mehr mal weniger (und manchmal sogar mit Sex), er distanziert sich deutlich von Homosexualität. Er ist oft im Ausland, aber das macht den beiden nichts aus, denn Sex brauchen sie nicht, um glücklich zu sein.A3=heterosemisexuell.
Ein „A1-Mann“ kuschelt und streichelt gerne mit seiner Freundin, aber will nichts mehr, auch er distanziert sich von Homosexualität.A1=heteroasexuell.
Alle drei sind vollheterosexuell! Was sich ändert, ist die Intensität ihrer Sexualität. Sie werden nicht weniger hetero, sondern weniger sexuell. Dabei würde ich auf keinen Fall wagen, die Intensität der Sexualität zum physiologischen Niveau der Anzahl/Häufigkeit der Sexualkontakte zu reduzieren. Sexualität eines Menschen ist wesentlich mehr! Die sexuelle Interaktion in meiner Überzeugung dient nur als Leitfaden, um die Asexualtität einfacher zu erklären/vermitteln. In der Realität hat ein A4 mehr Erotik, Balzverhalten, sexueller Witzigkeit, körperlichen Verführungspotential und was weiß ich noch, in sich als A2 und das alles ist in der Spalte A ausschlich hetero-vorprogrammiert.
Mit anderen Worten: das ist dasselbe Bier nur mit unterschiedlicher Temperatur. Das sind zwei verschiedene Größen, wo eine (Ausrichtung) konstant bleibt und die andere (Interaktion) sich ändert.
Dieser Aspekt wurde sehr gut im Film „Kinsey“ dargestellt. Ihm wurde vorgeworfen, er sei von der Physiologie besessen und Liebe interessiere ihn nicht, Menschen seien für ihn nur Gallwespen (Er war Prof. f. Zoologie)

Sowohl eine sexuelle Ausrichtung (hetero, bi, homo) als auch sexuelle Interaktion (hypersex, semisex, asex) müssen laut einem binären System immer auf 100% kommen. Wer schneller ist, ist genauso viel gleichzeitig weniger langsam. Das heißt wer 80% hetero ist, ist gleich auch automatisch 20% homo. Womit sollen die restlichen 20% sonst gefüllt werden? Oder ist so jemand etwa 20% behindert? Smile Sorry, ein wenig Spaß muss sein. Ähnlich sieht es auf der Y-Achse aus, 30%asex=70% sexuell (was auch immer sich jemand unter "sexuell" vorstellt). Ach so, 70%sexuell und 30% auf Niemanden zu stehen geht nicht. Ähnliches Dilemma gibt es mit Introversion/Extraversion. Manche Psychologen behaupten, es gebe keine Introversion, nur eine geringe oder starke Extraversion, denn jeder Mensch irgendwie kommuniziert, ansonsten müsste man autistisch oder gar behindert sein, nur nebenbei.

Auf den Grafiken mit prozentualen Anteilen kann evtl. ein ungewöhnlicher Eindruck entstehen - oben auf der Skala steht „0%asex“ und unten „100%asex“, aber ich denke das ist nachvollziehbar. Die Bedeutung ist gleich „100%asex“=„0%sex“, „50%asex“=„50%sex“ und „0%asex“=„100%sex“. Ich wollte den Begriff „asex“ in der Skala beibehalten.

Am Beispiel von einem Dreieck lässt sich die Klassifikation ziemlich gut visualisieren, finde ich. Man könnte aus drei leuchtenden Glühbirnen ein gleichseitiges Dreieck aufstellen. Sagen wir mal rot(hetero), blau(homo) und weiß(asex). Dann haben wir drei zentrale Pole, die auf sich gegenseitig mit Farbe (rot,blau) und Helligkeit (weiß) auswirken. Der Rest ist die Taxonomie. Und das bedeutet genau das was Maz geschrieben hat: „die Asex beschreibt eigentlich nur die Intensität innerhalb der anderen Orientierungen.“Das gleiche tut jeder andere Pol.

Der Nachteil vom Storm`s Model ist, dass die Bisexuelle als eigenständige Orientierung darstellt werden, optisch sogar mit einem eigenen Pol (in der Ecke). Das finde ich nicht korrekt, wie ich schon mal früher oben geschrieben hatte, Bisexuelle sind eine Semiorientierung (50/50) zwischen Heterosexuellen und Homosexuellen, genauso wie Semisexuelle zwischen Sexuellen und Asexuellen. Erst durch Einführung von Koordinaten wird dieser Täuschung etwas entschärft.

Zitat:
„Wo wäre also z.B. der Unterschied zwischen einem 100% hetero und einem 50% hetero 50% asex?“
Die Person 1 (100% hetero) befindet sich irgendwo in der Spalte A, sie kann also A1, A2, A3, A4, A5 oder A6 sein. Du hast (ursprünglich) nur eine Größe erwähnt.
Die Person 2 (50% hetero, 50% asex) = D3. Sie ist 50%hetero also auch 50%homo und sie ist 50%asex also auch 50%sex. Sie ist bisemisexuell.

Zitat:
Und wie genau kann man sich dann eine Person in der Mitte von Bereich 3 vorstellen
Es wäre einfacher zuerst das Geschlecht von der Person zu wissen. Angenommen das ist eine Frau. Die Zeile 3=semisexuell. Das bedeutet die Frau zeigt eine minimale/verminderte Interaktion. Ob sie auf Frauen oder/und Männer steht, lässt sich im Moment nicht sagen. Sie kann sich als A3,B3,C3,D3,E3,F3 oder G3 entpuppen. Erst wenn sie sagt, sie steht auf beide Geschlechter, doch mit Tendenz zu Männern, dann ist sie bisemisexuell C3. Wäre das ein Mann, der auf beide Geschlechter steht, doch mit Tendenz zu Männern, dann bisemisexuell E3. Der Bereich bisemisexuell erstreckt sich über die Felder C4,D4,E4 und C3,D3,E3 und C2,D2,E2. So, das wäre erstmal zum Thema Interagieren.

Tja mit dem Fühlen oder emotionaler Anziehung ist wesentlich komplizierter. Was bedeutet schon „ich fühle mich zu jemand stark oder wenig emotional angezogen“? Wenn ich jemandem ständig „um den Hals“ hänge, bin ich emotional stark gebunden oder gehe ich ihm auf den Keks. Liebe ich mehr oder weniger. Oder ist das nur reines Kopfkino, ohne dass der Andere es erfährt - und was für ein Kopfkino konkret? Ich denke, genau aus diesem Grunde wird grundsätzlich die emotionale Anziehung auf einer Skala an der sexuellen Interaktion gekoppelt. Shively & DeCecco haben es versucht (Danke Maz!), dazu aber andersmal. http://de.wikipedia.org/wiki/Sexuelle_Orientierung#Shively_.26_DeCecco_Scale
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Zuletzt bearbeitet von luk69 am Sa Jan 12, 2013 12:48, insgesamt einmal bearbeitet
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Sexualität: keine Angabe
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Beiträge: 14317
BeitragVerfasst am: Sa Jan 12, 2013 12:46    Titel: Antworten mit Zitat

Aber wie bilde ich in dem Schema eine biasexuelle Person ab? Man kann sich doch nur auf beiden Dimensionen gleichzeitig der Bisexualität nähern. Eine Person auf D2 wäre aber ja noch im Bereich der Asexualität, also nicht bisexuell, wohingegen eine Person auf D3 (dort natürlich die Ecke rechts-oben) dann bereits (Semi)bisexuell ist?

Zitat:

Angenommen das ist eine Frau. Die Zeile 3=semisexuell. Das bedeutet die Frau zeigt eine minimale/verminderte Interaktion.


Ich dachte ursprünglich 0,1,2 wären geringe Interaktionen und 3 wäre einfach "Durchschnitt". D.h. also man muß für diese Zeilen jeweils die Position innerhalb der "Kästchen" betrachten?
Eine homosexuelle Person im Bereich D3 wäre dann maximal sexuell aktiv und erlebt minimale Anziehung. Eine bisexuelle Person im Bereich D3 wäre minimal sexuell aktiv mit minimaler Anziehung und einer heterosexuelle Person in D3 wäre minimal aktiv mit maximaler Anziehung?

Zitat:

Die Person 1 (100% hetero) befindet sich irgendwo in der Spalte A, sie kann also A1, A2, A3, A4, A5 oder A6 sein. Du hast (ursprünglich) nur eine Größe erwähnt.


Ich meinte damit Feld A3 vs Feld A6.

Zitat:

Ach so, 70%sexuell und 30% auf Niemanden zu stehen geht nicht. Ähnliches Dilemma gibt es mit Introversion/Extraversion.


Das ist dann der Punkt wo man neue Begriffe braucht (wie z.B. "emotionale Anziehung" vs. "sexuelle Anziehung") und "Binär" nicht mehr weiter kommt. Ein Semisexueller ist ja nicht einfach jemand der nur 50% Anziehung empfindet oder 50% der Aktivität zeigt (was auch immer der Maximalwert eigentlich aussagt, da wären 100% vermutlich als pathologisch einzustufen).
Genau wie bei der Extraversion/Intraversion muß man an der Stelle dann wohl Fragebögen einsetzten, die möglichst viele "Untereigenschaften" erfassen und bei denen sich die %te oder Punkte dann zunächst auch nur auf diese einzelnen Dimensionen beziehen. Einen Gesamtsummenwert kann man dann natürlich auch bilden, der sagt aber (zumindest in den Grauzonen) dann nicht so sonderlich viel aus.
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luk69




Alter: 51
Sexualität: Graubereich
Anmeldungsdatum: 19.12.2010
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BeitragVerfasst am: So März 24, 2013 14:22    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Ich dachte ursprünglich 0,1,2 wären geringe Interaktionen und 3 wäre einfach "Durchschnitt".

Die Bedeutung von solchen Begriffen wie „gering“ oder „durchschnittlich“ ist relativ und kann durch subjektive Wahrnehmung/Assoziation schnell missverstanden werden.
Beispiel 1
Auf einer Skala von 0-6 würde eine 3 klar den Durschnitt bedeuten, man könnte also sagen, ein Semisexueller ist durchschnittlich sexuell. Anderseits, soweit mir bekannt ist, hat ein Deutscher durchschnittlich 2x/Woche Sex, man könnte also auch sagen, er ist durchschnittlich sexuell. Beide Fälle haben aber grundsätzlich miteinander nichts zu tun. Ein Sexueller hat 2x/Woche Sex, weil so sein Bedürfnis ist. Ein Semisexueller hätte mit 2x/Woche Sex kein Problem, wenn/weil so das Bedürfnis seines Partners wäre.Es kommt nur rein rechnerisch das Gleiche raus. Die Sexualität der beiden unterscheidet sich wesentlich in mehreren Facetten - der erste braucht Sex, dem zweiten macht Sex nicht viel aus.
Beispiel 2
Ein heterosexueller Mann schläft mit einer Frau, weil so sein Bedürfnis (man nennt das Orientierung) ist. Ein bisexueller Mann schläft mit einer Frau, weil so das Geschlecht seiner Partnerin ist. Hätte er sich in einem Mann verliebt, hätte er mit einem Mann geschlafen. Obwohl zwei Männer mit Frauen schlafen, unterscheidet sich die Sexualität der beiden wesentlich in mehreren Facetten - der erste braucht eine Frau, dem zweiten macht Geschlecht seines Partners (hier Partnerin) nicht viel aus.
Vor 10-20 Jahren war ein Mythos ziemlich bekannt: „Bisexuelle gibt es nicht, das sind nur Homosexuelle, die nicht dazu stehen wollen oder ihre Neigung verweigern“. Offensichtlich gibt es Bisexuelle genauso wie Semisexuelle, sie beide befinden sich in der Zwischenzone nur auf zwei verschiedenen Schienen/Achsen.

Um dem Wortspiel zwischen „mehr“, „weniger“ oder „ durchschnittlich“ aus dem Wege zu gehen, halte ich eine Aufstellung mit prozentualen Anteilen für bestgeeignet (Abb. L16) Dann kann sich jeder beliebig seine eigene Adjektive und wörtliche Interpretation reinschreiben. Adjektive, die ich passend finde, habe ich bereits im SKS-Teil1 erwähnt (radikal, flexibel, tendenziell, ausgewogen), ich finde sie gut, weil sie sehr allgemein sind und ohne Mengenangabe (mehr, weniger, durchschnittlich).

Abb. L16

Die prozentualen Angaben zwischen Heterosexuellen und Homosexuellen in den rot/blauen Kästchen beziehen sich jeweils auf gesamte Spalten A bis G. Die prozentualen Angaben zwischen Asexuellen und Sexuellen in den grün/grauen Kästchen beziehen sich jeweils auf gesamte Zeilen 1 bis 6.
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Zuletzt bearbeitet von luk69 am So März 24, 2013 14:51, insgesamt einmal bearbeitet
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luk69




Alter: 51
Sexualität: Graubereich
Anmeldungsdatum: 19.12.2010
Beiträge: 187
BeitragVerfasst am: So März 24, 2013 14:23    Titel: Antworten mit Zitat

Hier ein Ausschnitt aus der Wikipedia:

Ich halte die Shively & DeCecco Scale für irreführend.

Unter dem Schlagwort „unipolar“ hat man hier versucht, die Heterosexuelle und Homosexuelle separat zu betrachten. Die Veränderung der Orientierung, in der eine Abnahme der homosexuellen Anziehung nicht die gleichzeitige Zunahme heterosexueller Anziehung verursacht (siehe Text aus Wikipedia), halte ich für falsch. Hier wurden zwei verschiedene Größen/Werte und zwar sexuelle Interaktion (allgemein: Intensität der Sexualität) und sexuelle Ausrichtung, durcheinander gebracht.

Sowohl in der Kinsey-Skala als auch im Storms-Modell ist gut ersichtlich, dass der Übergang von hetero zu homo kontinuierlich (taxonomisch) verläuft. Das bedeutet je weniger hetero desto mehr homo.

In der Shively & DeCecco Scale sieht man genau, je weniger hetero, so ist man am Ende asex und je weniger homo, so ist man am Ende auch asex.(Hehe, ich weiß, das ist ein lustiger deutsch Smile ) Und dann um bisex zu sein, muss man sowohl stark hetero als auch stark homo sein. Das ist doch Quatsch! Wer stark hetero oder stark homo ist, will von dem anderen Geschlecht also auch von bisex nichts wissen. Und wo gibt es hier einen Platz für Heteroasex, Biasex und Homoasex??

Der Fehler in der Shively & DeCecco Scale besteht meiner Meinung nach darin, dass die sexuelle Intensität an die sexuelle Ausrichtung gekoppelt wurde. Zwei Werte, die unabhängig voneinander variieren können, wurden zusammen gelegt.
Auch die Darstellung der emotionalen Anziehung finde ich nicht überzeugend.

Shively & DeCecco Scale nach meiner Vorstellung(Abb L17):

Abb L17

„physische Anziehung“ (links)
Die Stufe 1-5 in der „physische Anziehung“ bezieht sich auf die Intensität der Sexualität, wobei die sexuelle Interaktion als Leitfaden zu verstehen ist.
„emotionale Anziehung“ (rechts)
Bei der emotionalen Anziehung kann keine Rede von Intensität der Anziehung sein. Die Stärke der emotionalen Anziehung lässt sich objektiv nicht auswerten, man weiß ja nicht, ob Person A sich zu ihrem Partner mehr/weniger emotional hingezogen fühlt als Person B zu ihrem Partner. Ein Beispiel: Eine lesbische Frau liebt ihre Partnerin nicht mehr oder weniger als ein heterosexueller Mann seine Partnerin. Das Einzige, was sich bei der emotionalen Anziehung differenzieren lässt, ist die Verlagerung der Ausrichtung auf das Geschlecht. Demzufolge beziehen sich die Stufen (siehe Abb. auf die Intensität der Ausrichtung und nicht auf die Intensität der emotionalen Anziehung.
Mathematisch gesehen müsste in der Stufe „3“ genaugenommen „2,5“ stehen. Wenn man nämlich vom Maximalwert also 100%=5 ausgeht, wären dann 50%/50%=2,5 und demzufolge dann statt 4 die Zahl 3,75. Ich wollte den Urstand von der Skala so wenig wie möglich verändern und außerdem geht es mir weniger um die präzisen Zahlen und mehr um ein Grundverständnis.
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Alter: 43
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 12.02.2005
Beiträge: 14317
BeitragVerfasst am: So März 24, 2013 15:39    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:

Die Stufe 1-5 in der „physische Anziehung“ bezieht sich auf die Intensität der Sexualität, wobei die sexuelle Interaktion als Leitfaden zu verstehen ist.
„emotionale Anziehung“ (rechts)
Bei der emotionalen Anziehung kann keine Rede von Intensität der Anziehung sein.


Physische Anziehung hat aber doch nicht mehr oder weniger mit der Interaktion zu tun als die emotionale Anziehung. Verhalten und Anziehung sind denke ich immer zwei Dimensionen. Und warum sollte es keine Abstufungen bei der Intensität der emotionalen Anziehung geben?
Den Begriff Liebe lassen wir dabei lieber außen vor. Zumindest würde ich emotionale Anziehung nicht mit Liebe gleichsetzen. Wenn man aber das "Verlieben" als Merkmal dafür betrachten will sieht man doch recht deutlich, daß es dabei starke Intensitätsschwankungen gibt.

Wenn Intensität und (sexuelle/emotionale) Orientierung nicht gekoppelt sind (was natürlich fraglich bleibt aber durchaus Sinn macht) macht es meiner Meinung nach keinen Sinn mehr im Bezug auf die Orientierung das ganze überhaupt noch in einer gemeinsamen Skala abbilden zu wollen.

Das wird dann eine rein binäre Angelegenheit.
Ich bin bi-, homo-, hetero-, a-, objekto- oder sonstwas und habe parallel dazu mehr oder weniger starke Anziehungen im sexuellen und emotionalen Bereich mit unterschiedlicher Stärke und Flexibilität (viele oder wenige Personen). Und parallel dazu noch eine Verhaltensdimension, die auch mehr oder weniger stark und mehr oder weniger flexibel ausfallen kann.
Damit kann man dann auch in 2 verschiedenen Bereichen eine unterschiedliche Orientierung haben, also z.B. a-sexuell und bi-romantisch sein.

Das ganze würde also so aussehen: Orientierung (statisch) mit den Kategorien: sexuelle/physische Anziehung, emotionale Anziehung und Verhalten, jeweils in x Stufen für die Intensität und ggf. nochmal x Stufen für die Flexibilität. Da braucht man dann halt ein paar mehr Kästchen oder einen höherdimensionales Modell.
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Prinzess
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Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 30.12.2013
Beiträge: 1477
BeitragVerfasst am: Fr Dez 05, 2014 4:33    Titel: Antworten mit Zitat

Mir fehlt bei der vierten Abbildung die Gruppe -1, die gar keine Partnerschaft will, noch nicht mal in Form einer Freundschaft.

Eine richtige Aussagekraft bekommt das Ganze aber erst, wenn Du die jeweilige Häufigkeit innerhalb der Gesamtbevölkerung entpflegen kannst und die Verteilung unter den Geburtsgeschlechtern und den gefühlten Geschlechtern inkl. der nicht-binären.

Hui, ein Kuddelmuddel. Mögen die mal forschen!

Aber schon eine beachtliche mühevolle Leistung. Respekt!
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luk69




Alter: 51
Sexualität: Graubereich
Anmeldungsdatum: 19.12.2010
Beiträge: 187
BeitragVerfasst am: Do Jan 29, 2015 16:22    Titel: Antworten mit Zitat

In der Abb.04 geht es mir nicht um Intensität und Form einer Partnerschaft mit Hinblick auf die Sexualität, sondern anders rum. Hier soll die Intensität der Sexualität am Beispiel/mit Hilfe einer Partnerschaft dargestellt werden.
Eine Gruppe -1 ? Ich habe das Minus vor 1 nicht gleich erkannt, zuerst habe ich es lediglich als Bindestrich gedeutet und dachte „hä? was für Gruppe 1? Die ist doch bereits da“ Smile . Also eine Gruppe „-1“ ist nicht notwendig, denn in der Gruppe 0 steht bereits geschrieben: „Eine Partnerschaft in Form einer tiefen Freundschaft möglich“.
möglich = nicht notwendig = kann, muss aber nicht sein.
Ich habe mit dem Wort „möglich“ gezielt versucht, die Bandbreite der Gruppe 0 optional zu erweitern.
Das wichtigste Kriterium in der Gruppe 0 lautet: keine sexuelle Anziehung/Interaktion.

Was genau meine ich also mit der Gruppe 0 ?
(1) Ob jemand lieber Single bleiben möchten oder sich auf eine Art Gemeinschaft einlässt (zB. eine WG, eine Hobby-/Interessen-Gemeinschaft uä.) und dann sich daraus evtl. eine (tiefe) Freundschaft entwickelt, steht offen („möglich“).
(2) Ob ein Sexualtrieb alternativ ausgelebt wird (SB, autosexuell?) oder gar nicht vorhanden ist (nonlibido, absolut asexuell), spielt keine Rolle, denn die sexuelle Interaktion zu den anderen Menschen ist hier gleich null.
(3) Schließlich passen in die Gruppe 0 auch aromantische Asexuelle.

Wenn ich es richtig verstehe:
Asexualität= keine sexuelle Anziehung/Interaktion (= kein Sex-Wunsch/-Interesse )
Aromantik= keine emotionale Anziehung/Interaktion (= kein Beziehungs-Wunsch/-Interesse )
Beides steht nicht zwingend in Zusammenhang, man kann asexuell sein ohne aromantisch zu sein (das wäre die Gruppe 1 in der Abb.04), aber auch aromantisch ohne asexuell zu sein (das können quer und durch alle sexuelle Menschen sein), oder beides (= asexuelle Aromantiker oder wem lieber ist, aromantische Asexuelle).
Eine Partnerschaft/Beziehung und Sexualität sind grundsätzlich zwei verschieden Paar Schuhen. Es gibt genug sexuellen Menschen, die lieber Single bleiben möchten, nichtdestotrotz interagieren sie sexuell mit anderen. Sie führen ein aktives Sexualleben, ohne sich auf eine Beziehung einlassen zu wollen. Liebe und Sex sind unabhängig voneinander auch wenn man es "kombinieren" kann. Nur eins geht gar nicht, eine aromantische Beziehung. Aromantisch kann ein Geschäft sein, aber keine Beziehung. Eine Beziehung beinhaltet immer emotionale Komponente.

Prinzess hat folgendes geschrieben:
Eine richtige Aussagekraft bekommt das Ganze aber erst, wenn Du die jeweilige Häufigkeit innerhalb der Gesamtbevölkerung entpflegen kannst …
Allerdings. Das habe ich auch schon früher erwähnt:
Luk69 hat folgendes geschrieben:
Wichtig!
Die Luk-Skala ist lediglich eine geometrische Darstellungsform und sagt nichts über die Mengenverteilung aus. Erst eine Studie würde klären, wie hoch die tatsächliche Anzahl jeder Gruppe ist.


Prinzess hat folgendes geschrieben:
… und die Verteilung unter den Geburtsgeschlechtern und den gefühlten Geschlechtern inkl. der nicht-binären.
Ja…, ich denke drüber nach. Das Geschlecht ist aber schon eine etwas größere Baustelle.

Ps. Wahrscheinlich habe ich die Bilder im suboptimalen Format reingestellt, zumindest in meinem Browser erscheint alles riesig. Rolling Eyes
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luk69




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Anmeldungsdatum: 19.12.2010
Beiträge: 187
BeitragVerfasst am: Di Okt 08, 2019 11:12    Titel: Antworten mit Zitat

Mein SKS-Projekt ist überarbeitet worden und erstmal nur im Blog erreichbar (Link in Signatur).
Eine sachliche Kritik hier im Forum gerne gesehen.

Inhaltsverzeichnis:
01. Kinsey-Skala
02. AVEN-Dreieck und andere Modelle.
03. A-Romantik
04. Geschlecht
05. Demisexualität, Pansexualität
06. Beziehungsformen


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